Das Jahr 2093 wird dem Jahr 2009 vollkommen gleichen. Zumindest, was die Kalendertage angeht. Ansonsten dürfte sich allerdings einiges verändern – wenn wir nicht jetzt schon anfangen, verantwortungsvoller mit unseren Ressourcen umzugehen. Wie der Alltag im Jahre 2093 aussehen könnte, zeigen wir mit 12 Geschichten, die eigentlich erschreckende Lebensumstände ganz beiläufig beschreiben.


Urlaubszeit – Reisezeit
Eigentlich wollten wir ja Sardinien buchen. Aber das war schon weg. Woran das jetzt genau liegt – ich weiß es nicht. Schuld sind angeblich die Gletscher, die alle weggeschmolzen sind und dadurch das Gleichgewicht der Erdplatten etwas aus dem Lot gebracht haben. Was dann zum Beispiel Vulkanismus nach sich zieht. Oder eben dass sich die eine oder andere Insel mal recht spontan verabschiedet.
Zusammenfassend könnte man sagen: Italien wird dem Ruf einer gewissen Unzuverlässigkeit mittlerweile auch im geographischen Sinne mehr und mehr gerecht. Ich meine, da haben wir uns früher aufgeregt, wenn mal ein Zug nicht kam. Heute sind wir schon froh, wenn der Bahnhof noch da ist. Damals, als es noch Kerosin gab, hätte man wahrscheinlich gesagt: „Fliegen wir halt woanders hin.“
Aber so leicht ist das eben nicht mehr. Außerdem, so eine Pizza vom frischen Lavastein, das kriegst du sonst nirgends. Und mit Perugia, wo wir jetzt letztendlich gelandet sind, haben wir auch wirklich keine schlechte Wahl getroffen. Die Erde bebt nur hin und wieder, und das meistens recht sanft. Außerdem ist fast die halbe Stadt noch völlig intakt. Hier lässt sich’s aushalten. Könnten wir fast nächstes Jahr wieder hinfahren. Wobei – vielleicht taucht ja Sardinien bis dahin auch wieder auf.

Schön sein ist schwer
Heute Morgen auf der Waage hat mich fast der Schlag getroffen. Ich hab schon wieder abgenommen. Dabei gebe ich mir doch wirklich alle Mühe. Ich bewege mich mittlerweile so gut wie gar nicht mehr. Bloß keine unnötige Kalorienverbrennung. Und zwecks Motivation habe ich mir sogar extra eine XXL-Hose gekauft. Mein größter Traum ist es, die irgendwann mal komplett auszufüllen. Ich weiß, das klingt jetzt albern – aber ich würde gerne so aussehen wie die Menschen in der Werbung. Obwohl ich ganz genau weiß: So füllig kannst du in Wirklichkeit gar nicht werden. Das ist doch alles retuschiert.
Wie soll man denn bitte schön einem derart überzogenen Schönheitsideal gerecht werden? Vielleicht durch diese Dickmacherpräparate – „Zwei Kilo mehr in nur zwei Wochen“ und dergleichen? Wer’s glaubt. Und selbst wenn, gesund ist das ganz bestimmt nicht. Die wesentlich vernünftigere Methode wäre sicher, einfach regelmäßig zu essen. Aber was heißt hier „einfach“, wenn in den Supermarktregalen schon wieder Ebbe herrscht. Na ja, kann sich ja demnächst ändern, wenn die anstehende Ernte mal wieder besser wird. Nur: Das sagen wir jetzt auch schon seit ein paar Jahrzehnten.
Agentur: DDB Berlin
Kreativchef: Stefan Schulte, Bert Peulecke
Creative Direction: Ludwig Berndl, Kristoffer Heilemann
Art Direction: Lars Buri, Cathrin Ciuraj, Tim Schmitt
Text: Tobias Geigenmüller, Antje Gerwien, Heiner Twenhäfel
Grafik: Jelka von Langen, Inga Wilde, Max Kersting
Illustration: Peter Franck
Beratung: Simone von dem Bussche, Ann-Katrin Schelkmann