Das Familiencomeback

Letztes Jahr wollten wir Weihnachten mal wieder alle zusammen in der Ferienwohnung meiner Eltern verbringen. Wir – das sind mein Vater Konrad, meine Mutter Sabine, mein kleiner Bruder Max, mein großer Bruder Jan, seine Freundin Diemut und die Tochter der beiden: Hannah.

Und es fing auch gleich gut an. Meine Mutter wollte so viel mitnehmen, dass unser Auto beinahe aus allen Nähten platzte. Das heißt: Natürlich musste sie. Schließlich ist sie ja Mutter. Und Mütter nehmen alles überallhin mit. Zumindest wunderte mich, dass wir nicht auch noch ein paar Bäume mitnahmen. Oder Mammuts. Oder Wolkenkratzer. Aber es musste halt alles mit. Es könnte ja sonst fehlen.

Etwas später auf der Autobahn bat meine Mutter meinen Vater, nicht so schnell zu fahren, da wir ja so beladen seien. Wenn er bremsen müsse. Mein Vater meinte, er müsse nicht bremsen. Na klar. Väter müssen niemals bremsen. 

Es verging einige Zeit, bis mein Vater vorschlug, wir sollten demokratisch abstimmen, ob im Auto geraucht werden dürfe oder nicht. Dazu muss man wissen, dass sich im Auto drei Raucher und meine Mutter befanden. Ich mutmaßte, dass meine Mutter eh bald einschlafen würde und dann nicht bemerkte, wenn wir im Auto rauchten. Nun gut. Wir sind ja keine Unmenschen. Natürlich rauchten wir nicht.

Und wir kamen irgendwann sogar an und wurden von meinem großen Bruder,  seiner Freundin und der kleinen Hannah begrüßt. Hannah ist jetzt etwas älter als ein Jahr. Ihr Wortschatz beschränkt sich im Wesentlichen auf das Wort „Ball“. Heute wollte ich ihr ein weiteres Wort beibringen:  „Ballon“. Ich scheiterte allerdings kläglich. Die Zeit war wohl einfach noch nicht reif dafür.

Da Hannah noch sehr klein ist und Rauchen ungesund sein soll, wurde die gesamte Wohnung zur Nichtraucherzone erklärt. Alle gingen dementsprechend artig nach draußen vor die Tür, um dort ihrer Sucht zu frönen. Als ich allerdings meinen Vater fragte, wo er denn geraucht hätte, meinte er: „Bei dir im Zimmer.“ Weil ich meinen Unmut darüber nicht vollkommen verbergen konnte, schob er aber nach: „Aus dem Fenster.“ Wie sehr er „aus dem Fenster“ heraus geraucht hatte, merkte ich, als ich mein Zimmer betrat. So sehr, dass ich erst mal eine halbe Stunde lang sturzlüftete. Mein Vater aber meinte, er hätte „so gut aus dem Fenster geraucht, wie er konnte“. Das Aus-dem-Fenster-Rauchen scheint nur leider nicht zu seinen größten Talenten zu gehören.

Das Highlight unserer gemeinsamen Weihnachtsferien ereignete sich aber an Heiligabend. Mein großer Bruder eröffnete meinen Eltern, dass wir den beiden um ein Haar einen DVD-Recorder geschenkt hätten. Und dann passierte es. Mein Vater sprach den schönen Satz: „Hatte ich auch überlegt, ob ich mir so einen DVD-Player für Sabine kaufe.“ Wunderbar. Manchmal reicht eben schon ein einziges Extrawort, um sich in meinem persönlichen Geschichtsbuch zu verewigen. Fröhliche Weihnachten. 

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