Laladidilaladada

Deutschland hat einige der bedeutendsten Musiker der Welt hervorgebracht. Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Bushido – Menschen wie Naturgewalten. Man muss wohl neidlos anerkennen, dass so manche Textzeile aus Bushidos Feder das deutsche Kulturgut beinah so sehr beeinflusst hat wie das Werk Karl Dalls.

Wenn Bushido aus seinem knallharten Gangster-Alltag berichtet, läuft dem Hörer ein Dauerschauer über den Rücken. In seinem Lied „Nie wieder“ bringt er die Zerrissenheit des Sohnes einer Einwandererfamilie einfühlsam und nachdenklich auf den Punkt: „Ich war der Erste mit ’nem Ständer im Sandkasten – der Erste, der sein Geld gemacht hat mit Pfandflaschen“. Nicht nur, dass hier Reime endlich von dem Zwang befreit werden, sich reimen zu müssen – nein: Bushido gibt seinen Hörern Hoffnung. Er erzählt die herzergreifende Geschichte eines kleinen Jungen, der trotz seiner Erektion den Getränkefachhandel aufsucht, um die Weltwirtschaft anzukurbeln.

In den Wirrungen der Rezession ist Bushido unser Wegweiser durch den Kapitalismus. Er selbst ist der lebende Beweis dafür, dass man es mit Ehrgeiz im Leben zu etwas bringen kann. Und er hat es weit gebracht. In seinem Song heißt es: „Ich hab es locker in die Siebte geschafft – ich kam locker jeden Tag erst um 7 nach 8.“ Tja. Das ist die Kehrseite der Medaille. Wer ständig mit seinem Ständer Pfandflaschen wegbringt, muss wohl in Kauf nehmen, dass der Körper irgendwann an den Rand der Erschöpfungsgrenze getrieben wird. Da kann es schon mal schwer fallen, morgens pünktlich zur Hauptschule zu kommen.

Aber ganz egal, bis in welche Klasse Bushido es geschafft hat – heute ist er eine Klasse für sich. Die Klasse der Schwererziehbaren. Im Forum auf Bushidos Website wird man folglich Zeuge von schier überwältigenden Reaktionen. Einer der Bushido-Jünger kann seine Emotionen kaum in Worte fassen und schafft es doch: „Es ist foll der gute text“.

Diese Begeisterung, diese Rückbesinnung auf die Kraft des gesprochenen Wortes erinnert an den jungen Scooter der 90er Jahre. Damals noch voller politischer Ambitionen brach sein unkontrollierbarer Hass auf die Spaßgesellschaft aus dem Sänger heraus: „How much is the fish? Yeeeah! Sunshine in the air!“ Im vergangenen Jahrtausend hatte man eben noch Revolution im Blut. Nun gut, auch später schrieb der platinblonde Erbe Goethes mit den Ecstasy-Augen Sexualitätsbefreiungshymnen wie „Horny In Jericho“ und „Behind The Cow“. Doch die absolut unnachgiebige gesellschaftskritische Rücksichtslosigkeit aus alten Tagen ließ der ostfriesische Ché Guevara so manches Mal vermissen.

Allerdings muss man zugeben, dass sich auch Scooters einstmalige Weggefährten heutzutage politisch nicht mehr die Finger verbrennen möchten. Zu groß ist die Angst vor Repressionen. Fast vergessen ist die literarische Sprengstoffqualität der Texte von Oli P: „Du machst auf Demi Moore, spielst mit deinen Augen nur“. Und auch ein „Boom Boom Boom I want you in my room“ von den Vengaboys ist heute wohl leider undenkbar. Vergangen die Zeiten, in denen Dr. Alban uns mit Zeilen erquickte, die sich plötzlich wie ein bunter Regenbogen über den grauen Himmel unseres Systems spannten: „The bubbling style is wicked and wild wicked and wild oh lord mmh …“. 

Aber gerade in künstlerisch verarmenden Zeiten ist es doch unabdingbar, dass die für unsere Kulturnation und auch für die Weltgeschichte so wichtigen Talente wie Bushido gefördert werden und ihr Schaffensdrang nicht durch den hier in Deutschland leider so weit verbreiteten Neid gehemmt wird. Schließlich haben wir deswegen schon andere große Künstler verloren.

In Erinnerung an Susan Stahnke

 

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Eine Antwort zu “Laladidilaladada”

  1. joachim sagt:

    ….und nicht zu vergessen: Howard Carpendales Hammerzeile “Worte sind billisch, sind manschmal so billisch…Man redte sich selber ein, alles das muss so sein….”

    Gruß vom Textinator

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