Archiv für Oktober 2009

M sucht W und W sucht M und M sucht M und W sucht W

Samstag, 31. Oktober 2009

Andere lesen gern Romane. Ich lese gern Kontaktanzeigen. Dabei muss ich leider immer wieder feststellen, dass viele Menschen vollkommen zu Recht einsam sind. Zumindest scheinen sich die meisten Kontaktsuchenden alle Mühe zu geben, in ihrer Annonce so blöd wie möglich wegzukommen. 

Hier sind die schönsten Exemplare, die ich entdecken durfte: 

„Hertha gegen Nürnberg, Du warst in Block 33, schwarzes Sommerkleid in Begleitung einer älteren Dame. Wir unterhielten uns kurz ob wir uns in der neuen Saison wieder sehen werden. Ich weißes, offenes Hemd würde dich gerne jetzt schon wieder sehen.“ 

Da war ich baff. Ein weißes, offenes Hemd schaltet eine Kontaktanzeige für ein schwarzes Sommerkleid. Das wirft doch die Frage auf, was die eigenen Textilien hinter dem Rücken so unternehmen. Vielleicht ziehen meine Shorts des Nachts noch in Tabledance-Bars und besaufen sich, während ich schlafe. Vielleicht führt meine Jacke eine wilde Ehe mit dem Sakko vom Nachbarn. Ich werde meine Klamotten von nun an jedenfalls ganz genau im Auge behalten. 

„Ein fuss in afrika, ein fuss in europa. Suche partner ca. 40 der den rest des weges mit mir geht.“ 

Auch dies ein überaus tragisches Zeugnis der Einsamkeit. Da steht man gleichzeitig auf zwei Kontinenten und fühlt sich allein. Und auch wenn viele Frauen große Männer bevorzugen – man sollte wohl schon kleiner sein als ein Kilometer. 

„Suche die Haare, die meinen Abfluss verstopfen … die sich durchhängende Kleiderstange … den überfüllten Schuhschrank!“ 

Und wieder eine Annonce, die mich zutiefst beeindruckt hat: die Kontaktanzeige für Haare. Nun gut, ich persönlich bezweifle, dass meine Haare Zeitung lesen. Ehrlich gesagt halte ich sie nicht für sonderlich intellektuell. Und mein Schuhschrank wirkt ebenfalls nicht gerade belesen. Aber vielleicht irre ich mich ja. Haare, wenn ihr das hier lesen solltet: Es tut mir leid. Ich habe euch unterschätzt. 

„Möchtest du oder dein Körper mal wieder entspannen, verwöhnt und gestreichelt werden?“ 

Manche Dinge möchte man selbst ja eigentlich gar nicht, sondern allein der Körper. Da muss man dann beim Fremdgehen auch gar kein schlechtes Gewissen haben. Nur der Körper sollte sich was schämen. 

„Küss mich bewusstlos, zieh mich an dich, nerv mich mit Anrufen.“ 

Wünschen Sie sich nicht auch oft, jemand würde sie bewusstlos küssen und mit Anrufen nerven? Ja, sie im besten Falle vielleicht sogar um viel Geld betrügen, mit den Kindern durchbrennen oder Ihnen einen Auftragskiller auf den Hals hetzen? Hach, wie schön, dass man noch träumen darf. 

„Musiker, 55-186-93, sehbehind., R, fast nur gute Eigenschaften, sucht tolle Frau.“ 

Diese Anzeige würde mich als Dame von Welt sofort überzeugen. Ein leicht übergewichtiger, sehbehinderter, rauchender Musiker – bei so vielen guten Eigenschaften muss man doch einfach zuschlagen. Wenn er jetzt auch noch Ekzeme im Gesicht hätte, nach Schweiß stinken würde und hoch verschuldet wäre … Aber man kann ja nicht alles haben. 

„Opa + Papa + Seelenarzt + Liebhaber könnte ich einer liebenswerten F zugleich sein, falls sie diese Kombination gerade sucht oder benötigt.“ 

Da bin ich mir aber sicher, dass man einen Seelenarzt benötigt, wenn der Partner gleichzeitig Opa, Papa und Liebhaber ist. Ich brauche ja schon allein nach dem Lesen dieser Anzeige psychologischen Beistand. 

„Hallo Yvonne, danke das du es nicht fertig bekommen hast, dein Leben in den Griff zu bekommen und meines endgültig ruiniert hast. Stolz, Dickkopf, Arroganz, Überheblichkeit, Narzismus und Pferde sind nicht alles, eine intakte Beziehung aber ziemlich viel. Nein ich suche nicht mehr und schon gar nicht dich! Gruß Hubertus. PS: Der der zuviel für dich gemacht hat!“ 

Na, das ist ja wohl eher eine Kontaktabbruchanzeige. Die schlimmste Beleidigung in diesem Text ist meiner Meinung nach übrigens „Pferde“.  

„Futtern wie bei Muttern? Schmusen am molligen Busen? Der junge Mann, der sich das traut, darf sich nicht fürchten vor alter Haut.“ 

Große Dichtkunst, die Gefühle weckt – bei den meisten wahrscheinlich Ekelgefühle. Aber immerhin ein gutes Beispiel dafür, wie man Kontaktanzeigen nicht schreiben sollte. Ich hätte folgende Alternative anzubieten: „Ich wende mich an alle jungen Recken, die bei Altersflecken nicht erschrecken, mit mir werden dich zwar alle verhöhnen, aber ich brauche nicht mal Sex zum Stöhnen, der letzte Orgasmus Jahre her, die Beine steif, ich höre schwer, ich finde Rollstuhl voll cool, und wende mich hiermit an alle Fans von Inkontinenz.“ 

Vielleicht habe ich Sie ja überzeugt. Schalten Sie den Fernseher ab. Lesen Sie Kontaktanzeigen. Da sind ganz eindeutig die besseren Komiker unterwegs.

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Speichel 2.0

Freitag, 30. Oktober 2009

Als meine Freundin und ich neulich auf die U-Bahn warteten, stand neben uns ein pubertierender junger Mann, der ständig auf den Boden spuckte. So häufig, dass wir uns fragten, wo zur Hölle dieser kleine Hosenscheißer so viel Speichel überhaupt her hatte. Doch dann wurde es uns klar: wahrscheinlich von ebay.

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Auto vs. Autor

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Gerade eben wurde ich  beinahe von einem Auto angefahren. Das war ein ziemlicher Schock – vor allem für den Fahrer. Der Arme saß nämlich in einem smart. Und in diesem Fahrzeug muss man es ja schon mit der Angst zu tun bekommen, wenn mal eine Ameise im Weg steht.

Wird man nun aber um Haaresbreite von so einem Koloss wie mir angelaufen, muss das wirklich grausam sein. Ich möchte mich hiermit bei dem niedlichen Fahrerlein entschuldigen. Vielleicht sollte man den Namen „smart“ allerdings noch mal überdenken. Ich finde, „afraid“ würde viel besser passen.

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Unter Zonis – Zwanzig Jahre reichen jetzt so langsam mal wieder

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Unter Zonis

Neben einigen eher unbekannten Autoren wie Martin Sonneborn, Hans Zippert und Harry Rowohlt findet man in dem Buch „Unter Zonis“ auch ein echtes Urgestein der deutschen Literatur: mich. Meine Geschichte „Tag der Deutschen Zweiheit“ wird schon bald auf höchster politischer Ebene für Zündstoff sorgen und 20 Jahre nach der Wende endlich zu einer neuen Wende führen: zur Wendewende.

Dass dieses in der Edition Tiamat erschienene Werk ethisch absolut einwandfrei ist, bestätigt auch die Presse:

“Das Buch ist verletzend, einseitig und ungerecht.” (ARD Tagesthemen)

„Ein Frontalangriff gegen das Wesen des Ossis.“ (radioeins)

„Ein Buch, das solche Erkenntnisse auflistet, leistet sicherlich einen ganz besonders verdienstvollen Beitrag zur deutschen Einheit.“ (DER SPIEGEL)

An dieser Stelle noch mal meinen herzlichsten Dank an den Herausgeber Klaus Bittermann, dem ich es zu verdanken habe, dass ich mich jetzt auch offiziell „Autor“ nennen darf.

Zu bestellen ist das Werk zum Beispiel hier:

http://www.amazon.de/Unter-Zonis-Zwanzig-reichen-langsam/dp/3893201378

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Tobias Geigenmüller

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Tobias Geigenmüller ist ein 93-jähriger Waffenhändler aus Turkmenistan. Er hat erfolgreich die Grundschule abgeschlossen und ein künstliches Bein aus Gold. Als geheimer Strippenzieher hinter Modern Talking hat er in den 80er Jahren Millionen gemacht und lebt seitdem zurückgezogen in seinem Schloss in Versailles, Frankreich. Die hier zu lesenden Kurzgeschichten schreibt er nur aus Jux und Dollerei. Verlage, die seine Texte veröffentlichen wollen, können ihm herzlich gestohlen bleiben.

So zumindest die offizielle Version für die Presse.

Denn dass Tobias Geigenmüller in Wirklichkeit ein 33-jähriger Autor aus Berlin ist, wird ihm wahrscheinlich eh niemand glauben. Dass er noch auf der Suche nach einem Verlag für sein Erstlingswerk „Mein Leben kann mich am Arsch lecken“ ist, kann nur fernab der Realität liegen. Und sein angeblicher Job als freiberuflicher Werbetexter und Konzeptioner ist ebenfalls so dermaßen abgehoben, dass man sich schon beim Lesen dieses Textes kopfschüttelnd mit dem Finger an die Stirn tippen muss.

Tobias_Geigenmueller

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In Griechenland servieren sie Lampen

Sonntag, 11. Oktober 2009

Andere Länder, andere Sitten. Manchmal sogar sehr andere Sitten. In unserem letzten Urlaub besuchten meine Freundin und ich ein griechisches Restaurant, in dem es die unterschiedlichsten Lampengerichte gab. Alles von der Lampe. Zumindest stand es so auf der Karte: „Grilled lamp“ beispielsweise. Oder auch „Lamp from the oven“. Der helle Wahnsinn. Die Griechen müssen absolute Meisterköche sein.

Eigentlich möchte man ja erwarten, so eine Lampe sei wirklich schwer zuzubereiten – aber das Land der Götter scheint auch das Land der Köche zu sein. Ich glaube, bei uns in Deutschland dürfte selbst ein Johann Lafer so seine Probleme damit haben, ein leckeres Lampengeschnetzeltes auf die Beine zu stellen. Oder eine ordentliche Lampenkeule an Kabelsalat. Das kann hier doch keiner. Auf dem Feinkostsektor hinken wir Deutsche mit unserem Schweinebraten dem Griechen gewaltig hinterher. Da müssen auch politische Lösungen gefunden werden, Frau Merkel. Es kann nicht angehen, dass wir die Nahrungsmittel der Zukunft einfach ignorieren.

Während wir uns in zehn Jahren noch mit den einfachsten Glühbirnenrezepten schwer tun, isst man in Griechenland doch schon längst Energiesparlampen. Oder Wandleuchten. In ganz feinen Restaurants vielleicht sogar Kronleuchter. Im Stadion holt man sich Flutlicht von der Bude und im Kino verspeist man Lichterschwerter. Im Frühjahr gibt es Osterlampe und zu Weihnachten die Christbaumbeleuchtung. Nebenbei gießt man sich einen auf die Lampe.

Und wenn man beim Schnellimbiss etwas zum Mitnehmen bestellt, bekommt man Taschenlampe. So ist das. In punkto Spezialitäten gehen die Griechen mit leuchtendem Beispiel voran. Wahrscheinlich kommen dort bei so viel Experimentierfreude bald ganze Solaranlagen auf den Tisch. Vor allem aber kann man in Griechenland davon ausgehen, dass es frische Lampen sind, direkt aus dem Baumarkt. Dass man sich am Ende nicht noch Lampenfieber zuzieht. Eins ist jedenfalls sicher: Es wird Licht. Zumindest in Griechenland.

 

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Architektur oder so ähnlich

Sonntag, 11. Oktober 2009

Die Wohnung meiner Freundin ist äußerst luxuriös. Zumindest, wenn man sie nach den Maßstäben des frühen 13. Jahrhunderts bewerten würde. Eigentlich kann man nämlich schon froh sein, dass die Räume überhaupt eine Decke haben. Ja, die meisten Zimmer verfügen sogar über Wände und Fenster. Und ich bin auch noch nie durch den Boden gebrochen.

Trotzdem vermute ich stark, dass der Innenarchitekt den Job aufgrund irgendeiner Quotenregelung bekommen haben muss. Jedenfalls bezweifle ich, dass ihm während der Bauarbeiten noch Augenlicht vergönnt war. Außerdem muss er ständig stockbetrunken gewesen sein. Ich bin zumindest davon überzeugt, dass selbst ein Blinder nüchtern mehr Raumgefühl haben müsste.

Als ich das erste Mal das Badezimmer meiner Freundin betrat, rechnete ich eigentlich fest damit, dass gleich Kurt Felix um die Ecke kommen würde. Doch Kurt kam nicht. Das Bad war ernst gemeint. Es ist insgesamt etwa so groß wie mein Zeigefinger. Um mich frei darin bewegen zu können, müsste ich wohl rund drei Meter kleiner sein. In der Hygienekammer finden mit Mühe und Not eine Toilette und ein Waschbecken Platz. Mehr konnte auch der blinde Architekt nicht unterbringen. Manchmal wünsche ich mir, er müsste mir bei der Benutzung seines Bades zusehen. Also, wenn er sehen könnte.

Sie müssen sich das etwa so vorstellen: Ich kann im Großteil des Bades ohnehin nicht aufrecht stehen. Wenn ich mich aber hinunterbeugen möchte, um mein Gesicht zu waschen, muss ich die Badezimmertür öffnen, weil der Platz im Bad nicht für meinen gebeugten Rücken ausreicht. Gleichzeitig ist das Waschbecken so klein, dass man ohne Mikroskop Schwierigkeiten hat, es überhaupt zu erkennen. Meist finde ich es nur, weil ich weiß, dass es ungefähr auf Kniehöhe angebracht ist. Die Dusche ist übrigens in die Küche ausgelagert worden. Die Kabine hat keine Decke, weswegen es oft ein wenig zieht. Die Küche hat nämlich wiederum keine Tür. Manchmal zieht es deswegen so stark, dass das Gesicht anfängt, im Wind zu flattern. Man könnte in der Dusche Drachen steigen lassen. Eigentlich verwundert es mich, dass ich bisher beim Duschen noch nie aus der Kabine hinausgesaugt wurde.

Aber ich sollte mich nicht beschweren. Die Wohnung hat nämlich auch ihre guten Seiten. Zum Beispiel wurde von dort aus noch nie ein Weltkrieg gestartet. Und bisher ist mir in der Wohnung auch kein Feuer speiender Drache begegnet. Aber mit Abstand das Beste an der Wohnung meiner Freundin ist: meine Freundin. Und die würde ich sogar besuchen, wenn sie in einem Erdloch wohnen würde. Vielleicht wäre das sogar komfortabler.

 

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Laladidilaladada

Sonntag, 11. Oktober 2009

Deutschland hat einige der bedeutendsten Musiker der Welt hervorgebracht. Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Bushido – Menschen wie Naturgewalten. Man muss wohl neidlos anerkennen, dass so manche Textzeile aus Bushidos Feder das deutsche Kulturgut beinah so sehr beeinflusst hat wie das Werk Karl Dalls.

Wenn Bushido aus seinem knallharten Gangster-Alltag berichtet, läuft dem Hörer ein Dauerschauer über den Rücken. In seinem Lied „Nie wieder“ bringt er die Zerrissenheit des Sohnes einer Einwandererfamilie einfühlsam und nachdenklich auf den Punkt: „Ich war der Erste mit ’nem Ständer im Sandkasten – der Erste, der sein Geld gemacht hat mit Pfandflaschen“. Nicht nur, dass hier Reime endlich von dem Zwang befreit werden, sich reimen zu müssen – nein: Bushido gibt seinen Hörern Hoffnung. Er erzählt die herzergreifende Geschichte eines kleinen Jungen, der trotz seiner Erektion den Getränkefachhandel aufsucht, um die Weltwirtschaft anzukurbeln.

In den Wirrungen der Rezession ist Bushido unser Wegweiser durch den Kapitalismus. Er selbst ist der lebende Beweis dafür, dass man es mit Ehrgeiz im Leben zu etwas bringen kann. Und er hat es weit gebracht. In seinem Song heißt es: „Ich hab es locker in die Siebte geschafft – ich kam locker jeden Tag erst um 7 nach 8.“ Tja. Das ist die Kehrseite der Medaille. Wer ständig mit seinem Ständer Pfandflaschen wegbringt, muss wohl in Kauf nehmen, dass der Körper irgendwann an den Rand der Erschöpfungsgrenze getrieben wird. Da kann es schon mal schwer fallen, morgens pünktlich zur Hauptschule zu kommen.

Aber ganz egal, bis in welche Klasse Bushido es geschafft hat – heute ist er eine Klasse für sich. Die Klasse der Schwererziehbaren. Im Forum auf Bushidos Website wird man folglich Zeuge von schier überwältigenden Reaktionen. Einer der Bushido-Jünger kann seine Emotionen kaum in Worte fassen und schafft es doch: „Es ist foll der gute text“.

Diese Begeisterung, diese Rückbesinnung auf die Kraft des gesprochenen Wortes erinnert an den jungen Scooter der 90er Jahre. Damals noch voller politischer Ambitionen brach sein unkontrollierbarer Hass auf die Spaßgesellschaft aus dem Sänger heraus: „How much is the fish? Yeeeah! Sunshine in the air!“ Im vergangenen Jahrtausend hatte man eben noch Revolution im Blut. Nun gut, auch später schrieb der platinblonde Erbe Goethes mit den Ecstasy-Augen Sexualitätsbefreiungshymnen wie „Horny In Jericho“ und „Behind The Cow“. Doch die absolut unnachgiebige gesellschaftskritische Rücksichtslosigkeit aus alten Tagen ließ der ostfriesische Ché Guevara so manches Mal vermissen.

Allerdings muss man zugeben, dass sich auch Scooters einstmalige Weggefährten heutzutage politisch nicht mehr die Finger verbrennen möchten. Zu groß ist die Angst vor Repressionen. Fast vergessen ist die literarische Sprengstoffqualität der Texte von Oli P: „Du machst auf Demi Moore, spielst mit deinen Augen nur“. Und auch ein „Boom Boom Boom I want you in my room“ von den Vengaboys ist heute wohl leider undenkbar. Vergangen die Zeiten, in denen Dr. Alban uns mit Zeilen erquickte, die sich plötzlich wie ein bunter Regenbogen über den grauen Himmel unseres Systems spannten: „The bubbling style is wicked and wild wicked and wild oh lord mmh …“. 

Aber gerade in künstlerisch verarmenden Zeiten ist es doch unabdingbar, dass die für unsere Kulturnation und auch für die Weltgeschichte so wichtigen Talente wie Bushido gefördert werden und ihr Schaffensdrang nicht durch den hier in Deutschland leider so weit verbreiteten Neid gehemmt wird. Schließlich haben wir deswegen schon andere große Künstler verloren.

In Erinnerung an Susan Stahnke

 

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Kühe sind die besseren Menschen

Sonntag, 11. Oktober 2009

Eigentlich ganz schön ungerecht. Wenn wir Menschen ins Gras beißen, sind wir tot. Beißt man hingegen als Kuh ins Gras, erfreut man sich noch Jahre danach bester Gesundheit. Das wirft doch die Frage auf, ob Kühe uns Menschen evolutionär nicht generell einiges voraus haben. Ich als unstudierter Biologe sage: ja. Und mit diesem Kapitel trete ich den Beweis an.

Zum Einen können Kühe Milch geben. Die meisten Menschen können nur pinkeln. Damit aber nicht genug. Kühe haben vier Beine, wir nur zwei. Im Gegensatz zu uns sind sie absolut vollkommene Organismen. Jede Form von Rassismus ist ihnen fremd. Denn Kühe sind ein bisschen wie Michael Jackson: schwarz und weiß. Allerdings schlafen sie deswegen nicht mit kleinen Kindern in Sauerstoffzelten.

Und auch die Kommunikation untereinander haben Kühe zur Perfektion gebracht. Während wir Menschen Millionen unterschiedlicher Wörter in den verschiedensten Sprachen benötigen, um uns zu verständigen, hat die Kuh längst eine globale Sprache entwickelt, die mit einem einzigen Wort auskommt: Muh. Ich jedenfalls habe noch keine Kuh jemals etwas anderes sagen hören.

In der Gestaltung unseres Arbeitsalltags stellen wir es ebenfalls dümmer an als all die Kühe dieser Welt. Wir Menschen sitzen den ganzen Tag in stickigen Büroräumen und machen uns gegenseitig das Leben schwer. Kühe hingegen stehen von morgens bis abends friedlich nebeneinander auf den schönsten Wiesen, die man auf unserem Planeten finden kann. Im Grünen. An der frischen Luft. Sie tun absolut nichts Schlechtes. Sie rauchen nicht. Sie trinken nicht. Sie klauen keine Autos.

Irgendetwas scheinen wir definitiv falsch zu machen. Mich wundert jedenfalls nicht im Geringsten, dass Kühe in Indien heilig sind. Kühe sind unfehlbar. Sie sind uns Menschen wirklich in jeder Hinsicht haushoch überlegen und sollten deswegen für uns niedere Geschöpfe absolut unantastbar sein. Das haben die Inder ganz richtig erkannt. Wir arrogante Mitteleuropäer aber machen uns über Kühe viel lieber lustig, als ihre Vollkommenheit anzuerkennen. Wir malen sie lila an, stellen sie auf eine Wiese und treten das Ganze dann auch noch im Werbefernsehen breit.

Unsere Kühe werden ohne ihr Einverständnis kommerzialisiert. Wir machen die heiligen Kühe zu tumben Boten des Konsums. Das hat nun wirklich keine Kuh auf dieser Erde verdient. Und sollte ich irgendwann noch einmal jemanden „blöde Kuh“ sagen hören, kann ich wirklich für nichts mehr garantieren. Grausam. Wir Menschen sind doch wirklich einfach nur Schweine.

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