Andere lesen gern Romane. Ich lese gern Kontaktanzeigen. Dabei muss ich leider immer wieder feststellen, dass viele Menschen vollkommen zu Recht einsam sind. Zumindest scheinen sich die meisten Kontaktsuchenden alle Mühe zu geben, in ihrer Annonce so blöd wie möglich wegzukommen.
Hier sind die schönsten Exemplare, die ich entdecken durfte:
„Hertha gegen Nürnberg, Du warst in Block 33, schwarzes Sommerkleid in Begleitung einer älteren Dame. Wir unterhielten uns kurz ob wir uns in der neuen Saison wieder sehen werden. Ich weißes, offenes Hemd würde dich gerne jetzt schon wieder sehen.“
Da war ich baff. Ein weißes, offenes Hemd schaltet eine Kontaktanzeige für ein schwarzes Sommerkleid. Das wirft doch die Frage auf, was die eigenen Textilien hinter dem Rücken so unternehmen. Vielleicht ziehen meine Shorts des Nachts noch in Tabledance-Bars und besaufen sich, während ich schlafe. Vielleicht führt meine Jacke eine wilde Ehe mit dem Sakko vom Nachbarn. Ich werde meine Klamotten von nun an jedenfalls ganz genau im Auge behalten.
„Ein fuss in afrika, ein fuss in europa. Suche partner ca. 40 der den rest des weges mit mir geht.“
Auch dies ein überaus tragisches Zeugnis der Einsamkeit. Da steht man gleichzeitig auf zwei Kontinenten und fühlt sich allein. Und auch wenn viele Frauen große Männer bevorzugen – man sollte wohl schon kleiner sein als ein Kilometer.
„Suche die Haare, die meinen Abfluss verstopfen … die sich durchhängende Kleiderstange … den überfüllten Schuhschrank!“
Und wieder eine Annonce, die mich zutiefst beeindruckt hat: die Kontaktanzeige für Haare. Nun gut, ich persönlich bezweifle, dass meine Haare Zeitung lesen. Ehrlich gesagt halte ich sie nicht für sonderlich intellektuell. Und mein Schuhschrank wirkt ebenfalls nicht gerade belesen. Aber vielleicht irre ich mich ja. Haare, wenn ihr das hier lesen solltet: Es tut mir leid. Ich habe euch unterschätzt.
„Möchtest du oder dein Körper mal wieder entspannen, verwöhnt und gestreichelt werden?“
Manche Dinge möchte man selbst ja eigentlich gar nicht, sondern allein der Körper. Da muss man dann beim Fremdgehen auch gar kein schlechtes Gewissen haben. Nur der Körper sollte sich was schämen.
„Küss mich bewusstlos, zieh mich an dich, nerv mich mit Anrufen.“
Wünschen Sie sich nicht auch oft, jemand würde sie bewusstlos küssen und mit Anrufen nerven? Ja, sie im besten Falle vielleicht sogar um viel Geld betrügen, mit den Kindern durchbrennen oder Ihnen einen Auftragskiller auf den Hals hetzen? Hach, wie schön, dass man noch träumen darf.
„Musiker, 55-186-93, sehbehind., R, fast nur gute Eigenschaften, sucht tolle Frau.“
Diese Anzeige würde mich als Dame von Welt sofort überzeugen. Ein leicht übergewichtiger, sehbehinderter, rauchender Musiker – bei so vielen guten Eigenschaften muss man doch einfach zuschlagen. Wenn er jetzt auch noch Ekzeme im Gesicht hätte, nach Schweiß stinken würde und hoch verschuldet wäre … Aber man kann ja nicht alles haben.
„Opa + Papa + Seelenarzt + Liebhaber könnte ich einer liebenswerten F zugleich sein, falls sie diese Kombination gerade sucht oder benötigt.“
Da bin ich mir aber sicher, dass man einen Seelenarzt benötigt, wenn der Partner gleichzeitig Opa, Papa und Liebhaber ist. Ich brauche ja schon allein nach dem Lesen dieser Anzeige psychologischen Beistand.
„Hallo Yvonne, danke das du es nicht fertig bekommen hast, dein Leben in den Griff zu bekommen und meines endgültig ruiniert hast. Stolz, Dickkopf, Arroganz, Überheblichkeit, Narzismus und Pferde sind nicht alles, eine intakte Beziehung aber ziemlich viel. Nein ich suche nicht mehr und schon gar nicht dich! Gruß Hubertus. PS: Der der zuviel für dich gemacht hat!“
Na, das ist ja wohl eher eine Kontaktabbruchanzeige. Die schlimmste Beleidigung in diesem Text ist meiner Meinung nach übrigens „Pferde“.
„Futtern wie bei Muttern? Schmusen am molligen Busen? Der junge Mann, der sich das traut, darf sich nicht fürchten vor alter Haut.“
Große Dichtkunst, die Gefühle weckt – bei den meisten wahrscheinlich Ekelgefühle. Aber immerhin ein gutes Beispiel dafür, wie man Kontaktanzeigen nicht schreiben sollte. Ich hätte folgende Alternative anzubieten: „Ich wende mich an alle jungen Recken, die bei Altersflecken nicht erschrecken, mit mir werden dich zwar alle verhöhnen, aber ich brauche nicht mal Sex zum Stöhnen, der letzte Orgasmus Jahre her, die Beine steif, ich höre schwer, ich finde Rollstuhl voll cool, und wende mich hiermit an alle Fans von Inkontinenz.“
Vielleicht habe ich Sie ja überzeugt. Schalten Sie den Fernseher ab. Lesen Sie Kontaktanzeigen. Da sind ganz eindeutig die besseren Komiker unterwegs.

